In einem Treffen mit Berufseinsteigenden tauchte die folgende Frage auf: Was tun, wenn es Kindern schwerfällt, sich zu motivieren? Es war spannend zu sehen, wie viele ähnliche Erfahrungen geteilt wurden – von lustlosen Montagmorgen bis zu ganzen Lektionen, in denen kaum jemand aktiv mitmacht. Als Lehrperson fragt man sich: Wie kann ich die Kinder aus dieser Trägheit herausholen? Wie schaffe ich es, Motivation zu wecken?
Die Selbstbestimmungstheorie als Grundlage
In diesem Zusammenhang greife ich jeweils gerne auf die Selbstbestimmungstheorie von Deci & Ryan zurück. Sie besagt, dass Motivation dann entsteht, wenn drei zentrale Bedürfnisse erfüllt sind:
- Autonomie: Das Gefühl, selbst Entscheidungen treffen zu können.
- Kompetenz: Die Erfahrung, etwas zu können und erfolgreich zu sein.
- Soziale Eingebundenheit: Das Gefühl, Teil einer Gemeinschaft zu sein und sich verbunden zu fühlen.
Diese drei Faktoren lassen sich als Dreieck darstellen, in dessen Zentrum die Motivation steht. Fehlt eine dieser Komponenten, sinkt die Motivation.
Wege zur Motivation
Indem wir gezielt Autonomie, Kompetenz und soziale Eingebundenheit fördern, können wir die Motivation steigern.
Autonomie stärken
Kinder sind motivierter, wenn sie ein gewisses Mass an Mitbestimmung haben. Das bedeutet nicht, dass sie alles selbst entscheiden, aber kleine Wahlmöglichkeiten können große Wirkung haben. Beispielsweise können sie wählen:
- Thema einer Aufgabe oder eines Projekts
- Niveau oder Schwierigkeitsgrad
- Arbeitsweise (allein, in Partnerarbeit oder Gruppe)
- Zeitpunkt oder Reihenfolge bestimmter Aufgaben
Kompetenz aufbauen
Kinder brauchen das Gefühl, erfolgreich sein zu können. Das gelingt, indem man:
- Eine klare Zielvorstellung vermittelt
- Positive Leistungserfahrungen ermöglicht
- Angst vor Fehlern nimmt, indem Fehler als Lernchance betrachtet werden
- Den individuellen „Chrampf“ (Anstrengung) wertschätzt
- Unterschiedliche Niveaus anbietet, sodass jede*r eine machbare Herausforderung hat
Soziale Eingebundenheit fördern
Motivation entsteht auch durch ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Hier helfen:
- Gemeinsames Arbeiten an Zielen
- Motivation vorleben und ansteckend wirken
- Herausforderungen und kleine Wettbewerbe, die für ein gemeinsames Erlebnis sorgen
- Zusammenhalt stärken, indem Erfolge gefeiert werden
Motivation ist nicht einfach eine Eigenschaft der Kinder, sondern ein Ergebnis der Umgebung, die wir gestalten. Indem wir Autonomie, Kompetenz und soziale Eingebundenheit gezielt fördern, können wir unmotivierte Kinder erreichen und eine positive Lernatmosphäre schaffen. Kleine Veränderungen im Unterricht können hier bereits grosse Wirkung zeigen. Klingt so einfach, beschäftigt uns aber immer wieder. Bleiben wir dran!